Nahwärmenetz – Eine Hiobsbotschaft, die zum Glücksfall werden kann – Bau erst 2023

So könnte das Pfronstetter Nahwärmenetz Ende 2023 aussehen!

Im ersten Moment war die Enttäuschung im Rathaus groß, als aus Stuttgart die Mitteilung kam, dass entgegen der bisherigen Signale der von der Gemeinde für das geplante Nahwärmenetz beantragte Landeszuschuss entsprechend der Verwaltungsvorschrift „Energieeffiziente Wärmenetze“ nicht bewilligt wird. Allein mit der sicher zugesagten Förderung aus dem Programm Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) wäre das Vorhaben unter Berücksichtigung der gestiegenen Preise nicht wirtschaftlich finanzierbar, hierfür wäre eine deutlich höhere Beteiligung der Grundstückseigentümer im Trassenbereich erforderlich gewesen. Deshalb standen die Zeichen bis vorgestern auf Stopp – mit ungewissen Aussichten für die Zukunft.

Einen Tag später sieht die Welt ein wenig besser aus: Die Europäische Kommission hat am Mittwoch die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) genehmigt, das Förderprogramm, auf das die Gemeinde seit nunmehr zwei Jahren warten.

Das BEW sieht in einem ersten Schritt eine Machbarkeitsstudie vor, hier kann die Gemeinde sehr viel von den Daten verwenden, die im Quartierskonzept und den bisherigen Planungen gesammelt wurden. Kernstück ist dann in einem weiteren Schritt die Förderung von Investitionen, mit bis zu 40% auf alle Kosten. Bei den bisherigen Programmen erfolgte nur eine Förderung des Netzes, nicht aber der Anlagen zur Wärmeerzeugung. Für die Wärmeerzeugung aus Solarthermieanlagen wird zusätzlich eine Betriebskostenförderung über einen Zeitraum von 10 Jahren gewährt – dies könnte möglich machen, die zunächst erst langfristig angedachte Solarthermieanlage schon im ersten Schritt rentabel für den Sommerbetrieb zu bauen.

Der Förderstart ist für Mitte September vorgesehen. Insgesamt stehen rund 3 Mrd. € bis 2026 zur Verfügung. Nach Inkrafttreten der Förderrichtlinie wird die Antragsstellung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) möglich sein. Die Gemeindeverwaltung wird nun zusammen mit den Büros Clean Energy und Zelsius einen entsprechenden Zeitplan aufstellen. Klar ist: Mit dem Bau kann defintitiv erst im kommenden Frühjahr begonnen werden, dann aber eben mit einer besseren Zuschussmöglichkeit, die für die Kunden dann aber auch langfristig zu günstigeren Wärmekonditionen führen wird.

Für die potenziellen Kunden des Nahwärmenetzes bedeutet dies, dass alle im anstehenden Winter 2022/2023 noch einmal selbst für eine warme Stube sorgen müssen. Im Laufe des Jahres 2023 können dann die Anlagen zur Wärmeerzeugung und das Netz selbst gebaut werden – und zwar in den Bauabschnitten 1 und 2. Zum gegebenen Zeitpunkt wird es eine weitere Informationsveranstaltung geben, schließlich dürften die Entwicklungen auf dem Energiesektor den einen anderen bisher zögerlichen Interessenten umgestimmt haben.