Flurbereinigung Pfronstetten: Grünes Licht im dritten Anlauf

Gut besucht war die Aufklärungsversammlung für die geplante Flurbereinigung Pfronstetten, über 60 Eigentümer, die potenziellen „Teilnehmer“ des Verfahrens, nutzten die Möglichkeit zur Information. Am Ende stand die Erkenntnis: Das Verfahren ist notwendig, und das objektive Interesse ist gegeben – wenn auch nicht bei allen.

Vor ziemlich genau einem Jahr fand schon einmal eine Informationsveranstaltung statt – damals aus Gründen der Pandemie noch als Online-Veranstaltung.

Wie im vergangenen Jahr informierten wiederum Christian Kutterer und Armin Schweizer vom Landratsamt Reutlingen über die Ziele einer Flurbereinigung, über den Verfahrensgang und die Mitwirkungsmöglichkeiten der Teilnehmer. Neben einer Verbesserung der Bewirtschaftbarkeit durch eine Arrondierung der Flächen und die Verbesserung und Modernisierung des Wegenetzes werden auch ökologische Zielsetzungen verfolgt. Die Präsentation entsprach im wesentlichen der aus der Online-Veranstaltung.

Zum Verfahrensbereich gehören etwas über 1.000 Hektar, die Abgrenzung entspricht im wesentlichen der Gemarkungsgrenze. Der aktuellen Kalkulation zufolge kann mit Verfahrenskosten von unter neun Euro pro Ar ausgegangen werden, und natürlich wird es auch einen Flächenabzug mit bis zu 5%, eher aber nur 3% geben.

Durch diese direkten und indirekten Investition ergibt sich eine Wertsteigerung des eigenen Grundbesitzes, die für allem für nicht selbst bewirtschaftende Eigentümer bei der Verpachtung und bei einem Verkauf eine Rolle spielen wird. Aber auch die Bewirtschafter profitieren durch größere Einzelflächen und ein besseres Wegenetz: Fahrten können deutlich reduziert werden, die Bewirtschaftung kann effizienter erfolgen. Das spart angesichts der gestiegenen Kraftstoffkosten bares Geld und vor allem auch Zeit. Diese gesparte Zeit kann dann entweder betrieblich genutzt, oder – wie es ein Besucher besonders den jüngeren Landwirten ans Herz legte – mit der Frau und der Familie verbracht werden.

Einige anwesende Landwirte bezweifelten die positiven Auswirkungen eines Verfahrens: Das vorhandene Wegenetz sei ausreichend und die für die eigenen Flächen zu bezahlenden Teilnehmerbeiträge sowie die höheren Pachten könnten nicht refinanziert werden. Hier verwies Christian Kutterer auf eine Studie der Forschungsgruppe Triesdorf, in der dies anhand mehrerer untersuchten Verfahren widerlegt werden konnte. Nach ungefähr zehn Jahren „rentieren“ sich die Investitionen – dann aber dauerhaft und angesichts der rasanten Entwicklung in der Landwirtschaft noch sehr viel mehr. Das Landratsamt sagte dennoch zu, Einzelfälle mit unbilligen Härten im Verfahren gemeinsam zu besprechen.

Gemeinderat Josef Heinzelmann verwies darauf, dass Landwirte letztendlich auch Unternehmer seien und Investitionen in die Zukunft unabdingbar seien. Auf eine Anfrage aus der Versammlung hin bestätigte Gemeinderat Denis Arnold, dass größere Flächen und Schlaglängen, wie sie seit der Flurbereinigung in Aichelau gegeben sind, auf jeden Fall eine effizientere Bewirtschaftung ermöglichen.

Bürgermeister Reinhold Teufel wies abschließend darauf hin, dass neben den Interessen der Bewirtschafter und der nicht bewirtschaftenden Eigentümern und auch die Interessen der Gemeinde und der Bürgerschaft insgesamt zu berücksichtigen seien. Nachdem in fünf der sechs Ortsteile die Modernisierung des Wegenetzes über Flurbereinigungsverfahren mit Zuschüssen deutlich über 70% erfolgte und erfolgt, wäre es im Gemeinderat schwerlich zu vermitteln, dass die Steuerzahler aus allen Ortsteilen dies für den Ortsteil Pfronstetten alleine bezahlen sollen. Der Darstellung, das Pfronstetter Wegenetz sei ausreichend, widersprach er, dies lasse sich auch sehr leicht belegen.

In einer Aufklärungsversammlung wird nicht abgestimmt, aber anhand des Applauses für die Befürworter eines Verfahrens war sehr deutlich erkennbar, dass eine deutliche Mehrheit der potenziellen Teilnehmer des Verfahrens es begrüßt, dass nach Bemühungen in den 1980er Jahren und Anfang der 2010er Jahre nun im dritten Anlauf endlich der Start ins Verfahren gelingt. Dieses Stimmungsbild nahm Christian Kutterer auf, es wird die abschließende Entscheidung der Behörde sicherlich maßgeblich beeinflussen.