Jetzt gilt es beim Pfronstetter Nahwärmenetz

Mit einer weiteren Infoveranstaltung in der Albhalle wurde über das geplante Nahwärmenetz informiert.

War das „ob“ zumindest am Anfang noch unklar, so geht es jetzt auch beim „wie“ nur noch darum, wie weit der erste Bauabschnitt reichen wird. Die Entscheidung, dass das Pfronstetter Nahwärmenetz gebaut wird, wird die Gemeindeverwaltung voraussichtlich in der November-Sitzung dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorlegen. In einer weiteren Informationsveranstaltung in der Albhalle wurden die Interessierten über den Stand der Dinge informiert.

Bürgermeister Reinhold Teufel erinnerte an die Anfänge des Projekts: Im Januar 2020 wurden in einem proppenvollen Sitzungssaal die Überlegungen öffentlich vorgestellt. Trotz der Erschwernisse durch die Pandemie ist es seither gelungen, das Projekt bis zur Entscheidungsreife voranzubringen.

Die gut gemeinten Förderprogramme von Land und Bund haben leider eher für eine gebremste Entwicklung gesorgt. Das etwas attraktivere Landesförderprogramm hatte einen illusorischen Zeitplan, das für den Sommer avisierte neue Bundesförderprogramm ist auch vier Wochen nach der Bundestagswahl noch unklar.

Um bis zum Herbst 2022 ein funktionierendes Netz bieten zu können, haben sich die Gemeinde und ihre Projektpartner, die Klimaschutzagentur des Landkreises, das Büro Clean Energy aus Radolfzell und das Planungsbüro Zelsius aus Donaueschingen, zu einem Kunstgriff entschieden: Die Wärme wird zunächst einmal nicht zu 100% aus regenerativer Energie hergestellt, sondern mit einem Mix aus Holzhackschnitzel oder Pellets und einem Gas-Blockheizkraftwerk. Der große Vorteil: Für Wärme aus einem Gas-Blockheizkraftwerk gibt es ein seit vielen Jahren bekanntes Förderprogramm (Kraft-Wärme-Gesetz, KWKG). Positiver Nebeneffekt: Die Investitionskosten für diese Lösung sind deutlich geringer, so dass das Netz auch deutlich weniger Anschlussnehmer benötigt, um an den Start zu geben. „Wir wären gerne von vorne herein 100% CO-2-neutral in die Beheizung gegangen. Aber uns ist eine Lösung, die funktioniert, lieber als die perfekte Lösung, auf die wir noch ein paar Jahre warten müssen“, so Teufel.

Welches Gas schließlich in elektrischen Strom und Wärme umgewandelt werden soll entscheidet sich in den nächsten Wochen. Nachdem die Netze BW im kommenden Frühjahr ein Erdkabel von Pfronstetten nach Aichelau verlegen wird, besteht die Möglichkeit, eine Gasleitung mitzuverlegen, mit der dann von Aichelau Biogas nach Pfronstetten transportiert werden könnte. „Wir werden in den nächsten Wochen entsprechende Gespräche führen, es wäre perfekt, wenn das klappen würde“. Klappt es nicht, so kommt die Flüssiggas-Lösung, die eigentlich auch vorgesehen gewesen wäre.

Ein Großteil der Wärme soll auch bei dieser Lösung aus Holz produziert werden. In einem KWKG-Netz müssen nur 10% der Wärme aus dem Blockheizkraftwerk kommen, der Rest kann aus Holzhackschnitzel oder Pellets erzeugt werden. „Und hier kommt dann die Firma CSP aus Pfronstetten ins Spiel“ schlug der Bürgermeister den Bogen. Das Unternehmen produziert Container mit entsprechenden Heizanlagen, die nicht nur in Pfronstetten, sondern auch in anderen Nahwärmenetzen in der Startphase für Wärme sorgen sollen.

„Unser langfristiges Ziel bleibt natürlich, klimaneutral zu heizen. Sollte die Lösung mit Biogas klappen, würde damit der Sommerbetrieb und die Grundlast bestritten, andernfalls bleibt eine Solarthermieanlage die Option der Wahl. Das Volumen der Wärme soll mittel- bis langfristig auf jeden Fall mit einer Holzhackschnitzel-Heizung produziert werden“ schloss der Bürgermeister seine Ausführungen.

Den technischen Teil erläuterten Jörg Dürr-Pucher von Clean Energy und Leon Bührer von Zelsius. Die Heizzentrale soll an der Straße nach Aichstetten entstehen, von dort aus werden die Bereiche Schule / Hofäcker, Hauptstraße Süd, Hülengasse und Lindenstraße angefahren. Der letzte Zweig des ersten Bauabschnitts ragt nach aktuellem Stand über die Wilsinger Straße bis in die Walter-Frick-Straße. Diese Planung ist jedoch nicht fix, bei entsprechendem Interesse wäre auch die schnelle Anbindung weiterer Bereiche denkbar, beispielsweise die Hauptstraße Nord und die übrigen „Baum“-Straßen und -Wege im Pfronstetter Westen.

In den nächsten Wochen soll noch einmal verstärkt auf alle zugegangen werden, die an der Fragebogenaktion im Sommer 2020 teilgenommen haben, auch war es noch nicht möglich, mit allen, die schon bisher Interesse gezeigt haben, eine Entscheidung herbeizuführen.

Zum Schluss machte Bürgermeister Reinhold Teufel eines deutlich: Die Gemeinde realisiert dieses Projekt nicht aus Eigennutz, vielmehr sei es ein Angebot an alle im Dorf. Wer davon ausgeht, mit einer Ölheizung auch weiterhin kostengünstig an Wärme zu kommen, den wolle man nicht mit Gewalt bekehren. Die jüngste Entwicklung der Ölpreise, vor allem aber auch die politisch angekündigte weitergehende Belastung fossiler Brennstoffe zeige aber deutlich in eine andere Richtung. „Wer auf lange Sicht kostengünstig, sicher und bequem an ein warmes Haus kommen möchte, der kommt in Pfronstetten eigentlich an der Nahwärme nicht vorbei“.

Auf die Glasfaseranschlüsse, die quasi „huckepack“ mit ins Haus kommen, wurde an diesem Abend nicht verstärkt eingegangen, schließlich sollte dieses Thema hinreichend bekannt sein. Angesprochen wurde dagegen die Möglichkeit, auch in anderen Ortsteilen Nahwärmenetze zu etablieren. „Zusammen mit den Straßenbauprojekten des Landkreises wird sich hier für Aichelau eine Chance ergeben, und wenn ausreichend Interesse da ist, machen wir das auch in den übrigen Ortsteilen“, so Reinhold Teufel.

Fit für den Nahwärmeanschluss:
Sie wollen sich neutral über das Thema informieren? Alle Ratsuchenden können sich direkt bei der Klimaschutzagentur, Telefon 0157 455273, melden! Viele Fragen können unkompliziert am Telefon geklärt werden. Angeboten werden auch Beratungen im Rathaus mit Voranmeldung. Wenn es dann konkret werden soll, ist eine Besichtigung des Heizkellers notwendig – entweder mit Leon Bührer vom Büro Zelsius (Telefon 0771 89780716) oder einem lokalen Heizungsbauer. Dieser dient dann als Sachverständiger und kann gleich den Kostenvoranschlag für den Zuschussantrag machen, den jeder Wärmekunde stellen kann. Ein großer Teil der Investitionskosten des einzelnen wird dann vom Staat übernommen!