Positive Grundstimmung für Nahwärmenetz, mehr Beratung gewünscht

In diesem Luftbild ist die aktuelle Nachfragesituation in Sachen Nahwärme Pfronstetten dargestellt: Eine gut nachgefragte „grüne“ Achse von Süd nach West und noch schwächelnde orange und rote Bereiche im Osten.

Nachdem sich die Corona-Lage im Landkreis so weit entspannt hat, dass Informationsveranstaltungen wieder in Präsenz durchgeführt werden können, sind knapp 50 Interessierte der Einladung der Gemeinde gefolgt und haben sich über den Stand der Dinge informiert.

Abrahim Dold von der Klimaschutzagentur des Landkreises, Leon Bührer vom Planungsbüro Zelsius und Jörd Dürr-Pucher vom Projektbetreuer clean energy gingen dabei auf die Rahmenbedingungen des Projekts ein. Alle politischen Ebenen – von Europa bis Stuttgart – haben sich Anstrengungen in Sachen Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Unwetter wie in den vergangenen Tagen hat es zwar zu allen Zeiten gegeben, aber dass diese häufiger vorkommen und heftiger ausfallen wie in der Vergangenheit sollte durchaus als Indiz dafür gewertet werden, dass sich etwas tut.

Dass sich beim Klima etwas tut, lässt sich auch statistisch belegen: Die Jahresmitteltemperaturen sind seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 stetig gestiegen.

Aber selbst wenn Einigkeit darüber besteht, dass etwas getan werden muss, so scheiden sich an der Frage „was“ getan werden muss die Geister. Auffällig ist: Während bei der Stromerzeugung der Anteil regenerativer Energien deutlich gestiegen ist, bleibt diese Entwicklung bei der Wärmeerzeugung bisher aus. Und dies obwohl die Wärmeerzeugung im Reigen der wichtigen Energiesektoren neben Strom und Mobilität nicht die unwichtigste Rolle spielt.

Vor diesem Hintergrund sind die gut 100 Rückmeldungen, die auf die Fragebogenaktion der Gemeinde hin eingegangen sind, als deutliches Zeichen dafür zu werten, dass die Gebäudeeigentümer/innen in Pfronstetten die Wärmeerzeugung durchaus als wichtiges Thema erkannt haben. Für über 60 Gebäude wurden entsprechende Beratungsgespräche geführt, und für mehr als ein Drittel liegen verbindliche Absichtserklärungen vor.

„Das ist ein gutes Ergebnis, und nach Lage der Dinge werden wir auch ein Netz bauen, alleine schon um unsere eigenen Liegenschaften – Schule, Albhalle, Kindergarten, Rathaus, Feuerwehrhaus – und das künftige Baugebioet Kräuteläcker mit umweltfreundlicher und langfristig kostengünstiger Wärme versorgen zu können“ ergänzte Bürgermeister Reinhold Teufel. „Wie groß das Netz dann letztendlich werden wird, hängt aber von den privaten Interessenten ab“.

Etwas schmerzlich sei dabei, dass in dem Teil der Ortslage, der am stärksten von einer Anbindung profitieren würde, bisher wenig Interesse besteht: Entlang der Hauptstraße. „Diese Grundstücke sind natürlich von ihrer Lage her nicht die attraktivsten. Aber wenn irgendwann die Kinder oder Enkel oder auch potenzielle Kaufinteressenten über solche Gebäude nachdenken, dann werden Argumente wie ein Glasfaser- und Nahwärmeanschluss ziehen“, so der Bürgermeister. „Die jetzige Investition von – je nach Förderung durch den Staat – sieben, acht Tausend Euro kann dann die Kinder oder Enkel zu Übernahme bewegen und wird andernfalls bei einem Verkauf durch einen höheren Verkaufspreis wieder hereinkommen“.

So sieht der „Heizraum“ in einem Haus mit Nahwärmeanschluss aus. Es bleibt viel Platz für andere Zwecke.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass diejenigen, die sich schon intensiv mit der Thematik befasst haben, die Attraktivität des Angebots bestätigen. Allerdings gaben sie den Projektentwicklern auch Hausaufgaben mit: Die Details der Konditionen seien nicht ohne weiteres zu verstehen, hier wird mehr Beratung gewünscht. Dem möchten die Berater von Klimaschutzagentur, Planungsbüro und Projektentwickler gerne nachkommen. Weiter wurde angeregt, nicht nur Einzeltermine, sondern auch Gemeinschaftstermine für ganze Straßenzüge zu vereinbaren. Auch diese Anregung soll aufgegriffen werden.

„Je mehr mitmachen, umso mehr können wir – was die Netzgröße angeht – auch machen“ fasste Bürgermeister Reinhold Teufel abschließend zusammen. Er ist sich sicher, dass dieses Projekt sich dauerhaft als richtig erweisen wird. „Billiger und bequemer kann langfristig niemand in Pfronstetten an umweltfreundliche Wärme kommen!“.