Wie ist der Stand beim Nahwärmenetz

Quelle: Google Earth

Die Corona-Pandemie sorgt weltweit für Verdruss, auch für die Gemeinde Pfronstetten stehen die aktuellen Beschränkungen der eigentlich geplanten breiten Beteiligung am Projekt „Zukunftsdorf Pfronstetten“ im Weg. Deshalb möchten wir auf diesem Weg über den aktuellen Sachstand bei diesem Projekt, speziell im Hinblick auf das geplante Nahwärmenetz in Pfronstetten, informieren.

Bereits im Juli hatten wir über das Ergebnis der durchgeführten Fragebogenaktion informiert. Im Osten und im Westen der Ortslage ist das Interesse an einem Anschluss erfreulich gut, nur in der Mitte schwächelt es etwas.

Nachdem es ohnehin kaum möglich wäre, die komplette Ortslage in einem Zug zu erschließen, gehen die Überlegungen inzwischen dahin, in einem ersten Schritt den östlichen „grünen“ Bereich zu versorgen. Die Hoffnung ist natürlich, dass sich die Eigentümer der Grundstücke in der Mitte der Ortslage dann in nächster Nähe vom Funktionieren der Lösung überzeugen können und sich doch noch zum Mitmachen entschließen. Dann wäre auch die Anbindung der restlichen Ortslage effizient möglich.

Wie kann der Zeitplan aussehen?

Aktuell läuft die technische Vorplanung. An der groben Leitungstrasse insgesamt und an der Feinplanung für den östlichen Bereich wird gearbeitet. Wenn es ganz gut läuft, wäre ein Baubeginn für den Pfronstetter Osten 2021 möglich, eine Wärmeversorgung wäre dann spätestens im Laufe des Jahres 2022 gegeben. Für den oder die nächsten Bauabschnitt(e) würde das bedeuten, dass diese dann idealerweise in 2022 starten und ab 2023 ans Netz gehen könnten.

Wie soll die Wärme erzeugt werden?

Aktuell planen wir mehrgleisig: Im Winter, wenn viel Wärme benötigt wird, soll dies über ein Holzhackschnitzel-Heizwerk erfolgen. Als Ausfallsicherung und zur Abdeckung möglicher Spitzenlasten würde ein Ölkessel dienen. Für den Sommerbetrieb setzen wir auf die Sonne: Eine sogenannte solarthermische Anlage soll dann die Wärme erzeugen, auch hier würde der Ölkessel als Ausfallsicherung und zur Abdeckung möglicher Spitzenlasten dienen. Damit würden wir das Problem umgehen, dass Holzhackschnitzel-Heizwerke im Teil- oder Schwachlastbetrieb sehr unwirtschaftlich sind, zudem hat die von der Sonne produzierte Wärme den Vorteil, dass sie nahezu keine laufenden Kosten produziert.

Wo soll die Wärme erzeugt werden?

Ursprünglich hatten wir ja daran gedacht, das Holzhackschnitzel-Heizwerk im weitläufigen Bereich rund um Schule und Albhalle unterzubringen. Inzwischen gehen unsere Überlegungen eher in Richtung Pumpwerk, also das Ortsende in Richtung Tigerfeld. Dieser Standort wäre für die Hackschnitzelzufuhr gut zu erreichen und hätte auch einen gewissen Höhenversatz, was die Befüllung des Silos erleichtert.

Das Holzhackschnitzel-Heizwerk mit Pufferspeicher in Leibertingen

Alle, die in Leibertingen dabei waren, wissen: Dort musste hierfür eigens ein Hügel aufgeschüttet werden. Auch der geplante Pufferspeicher könnte im Bereich Pumpwerk besser untergebracht werden.

Die Solarthermie-Anlage muss dabei nicht zwingend direkt neben dem Holzhackschnitzel-Heizwerk installiert werden. Insofern wären sowohl angepachtete Flächen im näheren Umfeld wie auch eigene Flächen der Gemeinde an anderer Stelle denkbar.

Was kostet das Ganze?

Die Gesamtinvestition für die Anlagen zur Wärmeerzeugung und den ersten Bauabschnitt des Wärmenetzes wird voraussichtlich über zwei Millionen Euro kosten. Die genaue Höhe der Förderung wird ganz wesentlich davon abhängen, wie viele Haushalte letztlich anschließen. Die Hoffnung, dass es für den einzelnen günstiger werden könnte, wenn man zunächst abwartet und erst später anschließt, wird deshalb in doppelter Hinsicht trügen: Zum einen würde es – für alle – weniger Zuschuss geben und zum anderen werden die Baukosten für den Hausanschluss deutlich höher sein, wenn man diesen als Einzelvorhaben verlegen lässt. Aus diesem Grund ist es ja so wichtig, dass alle, die umweltfreundlich und langfristig kostenstabil heizen wollen, von Anfang an mitmachen!

Kann sich die Gemeinde das Nahwärmenetz leisten?

Kann sich die Gemeinde das Wasser- und Abwassernetz leisten? Sie kann es, weil die Kosten 1:1 auf die Anschlussnehmer umgelegt werden. Investitionen in das Netz werden vorfinanziert – ob mit eigenem Geld der Gemeinde oder mit aktuell zu historisch günstigen Konditionen erhältlichen Darlehen. Für die Kosten für Abschreibung und Verzinsung, die bei der Gebührenberechnung eingepreist werden, macht dies keinen großen Unterschied. Und wie bei Wasser und Abwasser auch wird der Gemeinderat peinlich darauf achten, dass die Anschlussnehmer nicht über Gebühr belastet werden.

Wieviel wird die Wärme kosten?

Als wir vor vielen Jahren einmal über ein ähnliches Projekt gesprochen haben, kam von einem Grundstückseigentümer die Aussage: „Wenn mich der Anschluss nichts kostet und ich die Wärme umsonst bekomme, dann mache ich mit!“. Hier müssen wir uns ehrlich machen: Alles hat seinen Preis, auch die Nahwärme.

Wenn Sie eine funktionierende Heizung haben, es Ihnen wichtig ist, in den nächsten drei bis fünf Jahren ihr Gebäude möglichst kostengünstig zu beheizen und Ihnen das Thema Umwelt und Klimaschutz gleichgültig ist – dann werden wir sicher nicht ins Geschäft kommen.

Wenn Sie aber wissen, dass in den nächsten Jahren ohnehin ein Austausch der Heizung ansteht (was dann – auch bei Ölheizungen – schnell mal 15.000 € kosten kann), wenn Sie davon ausgehen, dass der Ölpreis nicht ewig auf dem aktuell sehr niedrigen Stand verharren wird, wenn Ihnen bewusst ist, dass die zehn Cent pro Liter, die ab dem Jahr 2021 als CO-2-Abgabe den Heizölpreis verteuern, erst der Anfang und ganz sicher nicht das Ende der Fahnenstange sein wird und Ihnen das Thema Umwelt- und Klimaschutz auch im Hinblick auf Ihre Kinder und Enkel nicht unwichtig ist, dann sollten Sie sich ernsthaft mit dem Thema Nahwärme befassen!

Voraussichtlich wird es bei der Festsetzung des Preismodells so sein wie früher bei den Handyverträgen: Wer ein Telefon um einen Euro und eine niedrige Grundgebühr will, der hat pro Gesprächsminute deutlich mehr bezahlen als der, der für sein Telefon 200 Euro und eine höhere monatliche Grundgebühr bezahlt. Wenn Sie heute in eine neue Heizung investieren, kommen die erwähnten 10-20.000 Euro auf Sie zu. Und dann in 25 Jahren wieder. Wenn Sie den selben Betrag als Einmalbeitrag in die Nahwärme investieren, dann haben Sie das Thema Wärme für sehr, sehr lange Zeit erledigt. Für immer sollte man vielleicht nicht sagen, aber in diese Richtung wird es schon gehen. Denn dass Wärmenetze zum Einen seit vielen Jahrzehnten gängige Praxis sind (und wohl kaum ein Netz seither aufgegeben wurde), und zum Anderen die Bedeutung der Wärmenetze in Zukunft zunehmen wird – das dürfte wohl kaum zu bestreiten sein.

Wie beim Stromnetz wird es eine jährliche Grundgebühr geben, die sich am Anschlusswert des Gebäudes bemessen wird, und eine Verbrauchsgebühr, die dann für die abgenommene Wärmemenge zu bezahlen ist. Genaue Zahlen können wir noch nicht nennen, weil wir schlicht noch nicht wissen, wie viele Anschlüsse es tatsächlich geben wird. Je höher der Anschlussgrad, umso niedriger werden die Kosten sein. Im Frühjahr werden wir die Interessenten im ersten Bauabschnitt direkt kontaktieren, dann können auch belastbare Zahlen genannt werden.

Wer wird mir die Wärme verkaufen?

Aktuell planen wir, dass die Gemeinde das Netz baut und betreibt – ob als Teil der Gemeindeverwaltung oder (wie in Leibertingen) als gemeindeeigene GmbH – das wird noch geprüft. Als Wärmekunde schließen Sie also einen Vertrag mit der Gemeinde oder der Gemeinde-GmbH ab. Nun sind wir ein recht kleines Rathaus, deshalb werden wir im Hintergrund Dienstleister einsetzen.

So möchten wir das Holzhackschnitzel-Heizwerk nicht selbst betreiben. Tatsächlichen haben sich schon Interessenten bei uns gemeldet, die diesen Part übernehmen würden. Diese würden dann der Gemeinde die abgenommene Wärmemenge verkaufen. Bei der Abwicklung der Abrechnungen denken wir an eine Kooperation mit anderen Kommunen. Dies ermöglicht einen effizienten Einsatz des entsprechenden Personals und der benötigten Software. Im regionalen Umfeld gibt es bereits entsprechende Strukturen, aktuell gibt es auch bei mehreren Nachbargemeinden Überlegungen in diese Richtung. Und bei der technischen Instandhaltung des Leitungsnetzes haben wir den großen Vorteil, dass wir zwei kompetente und leistungsfähige Unternehmen in der Gemeinde haben, dies dürfte also das kleinste Problem sein!

Sind wir die einzigen, die so etwas machen?

Nein. In Aichelau und Tigerfeld gibt es schon seit längerem privat getragene Netze, ebenso in Engstingen, Hohenstein, Hayingen und Zwiefalten. Von kommunaler Seite laufen ähnliche Projekte in Gomadingen und Mehrstetten.

Inzwischen unterstützt auch der Regionalverband Neckar-Alb solche Projekte. Unter www.wärmewende-neckaralb.de finden Sie ergänzende Informationen.

Wenn noch Fragen offen sind – die Gemeindeverwaltung steht für Gespräche in dieser Sache jederzeit zur Verfügung!