Die Geschichte des Zwangsaltersheims in Tigerfeld – Führung durch die Ausstellung in Zwiefalten am 08.09.2021

Eine Ausstellung des Museums zur Geschichte von Christen und Juden, Laupheim, in Kooperation und mit Erweiterungen durch das Württembergische Psychiatriemuseum, Zwiefalten im Verwaltungsbau des ZfP Südwürttemberg in Zwiefalten beleuchtet einen dunklen Punkt in der Geschichte der Gemeinde Pfronstetten und des Ortsteils Tigerfeld: Die Zeit des „Zwangsaltersheims“ im ehemaligen Armenhaus.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 30.09.2021. Die Gemeindeverwaltung lädt alle Interessierten aus der Gemeinde zu einer speziellen Führung am

Mittwoch, 08.09.2021 um 19 Uhr

ein. Treffpunkt ist der Verwaltungsbau des ZfP Südwürttemberg in der Hauptstraße 9, Zwiefalten.

Hintergründe:

Mit der sogenannten Endlösung verschärfte das nationalsozialistische Deutschland ab 1941 seine Maßnahmen zur Vernichtung des europäischen Judentums. In Württemberg entstanden seit Herbst 1941 eine Reihe jüdischer Zwangsaltenheime, vornehmlich in entlegenen Gemeinden. Sie dienten als Zwischenstationen auf dem Weg in die Vernichtung.

Zwei dieser Zwangsaltenheime waren in Schloss Dellmensingen, im gleichnamigen Ort zwischen Ulm und Laupheim gelegen, und im ehemaligen Armenhaus in Tigerfeld, nahe Zwiefalten. Zwischen März und August 1942 wurden nach Dellmensingen 130, nach Tigerfeld mindestens 47 zumeist ältere und gebrechliche jüdische Menschen aus Württemberger zwangsweise umgesiedelt. Die „jüdischen Wohnheime“ selbst standen unter jüdischer Selbstverwaltung.

Nur vier Bewohner aus Dellmensingen und zwei aus Tigerfeld erlebten 1945 die Befreiung im Konzentrationslager Theresienstadt.

Die Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung fand auch in der staatlichen Psychiatrie ihre räumliche Entsprechung. Am 11. April 1939 erging vom württembergischen Innenministerium der Erlass, „die jüdischen Pfleglinge sämtlicher württembergischer Heilanstalten nach der Heilanstalt Zwiefalten zu verlegen.“

Bis 1944 befanden sich insgesamt 32 jüdische Patienten in der Anstalt. Fünf wurden Opfer der Shoah, sechzehn wurden 1940 im Rahmen der zentralen NS-„Euthanasie“ nach Grafeneck gebracht und dort noch am selben Tag ermordet.

Weitere zehn Menschen starben unter ungeklärten Umständen in der Anstalt. Herbeigeführte Todesfälle im Rahmen der dezentralen „Euthanasie“ sind für Zwiefalten im Zusammenhang mit der Leiterin Dr. Martha Fauser nachgewiesen und können auch bezüglich der jüdischen Patienten nicht ausgeschlossen werden.

Von den 32 jüdischen Patienten aus Zwiefalten überlebte niemand die Jahre des Nationalsozialismus.