Schul- und Rathaus Aichelau wird erneut zum Verkauf ausgeschrieben

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Im Rahmen einer gut besuchten Bürgerversammlung hatte die Aichelauer Bürgerschaft im August vergangenen Jahres der Veräußerung des Schul- und Rathauses zugestimmt, der damals angedachte Verkauf an einen örtlichen Interessenten kommt allerdings nicht zustande. Deshalb soll das ortsbildprägende Gebäude erneut zum Verkauf ausgeschrieben werden – gegen Gebot und mit einigen klar formulierten Auflagen.

„Beides geht nicht!“ – dies war und ist das Credo des Gemeinderats und auch der Gemeindeverwaltung, wenn es um die Frage geht, ob Aichelau ein neues Dorfgemeinschaftshaus bekommen und ob das denkmalgeschützte Schul- und Rathaus auch weiterhin der Gemeinde gehören soll.

Die Gründe hierfür sind den politisch Verantwortlichen klar: Für die Unterhaltung und Instandhaltung des Schul- und Rathauses werden auch ohne einen Umbau mittelfristig hohe Kosten anfallen, allein die Erneuerung der Fenster entsprechend den denkmalpflegerischen Vorgaben wird in den hohen fünfstelligen Bereich gehen.

Und für ein Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehrgerätehaus, einem Saal mit 100-120 Sitzplätzen, einem optionalem Backhaus sowie Räumlichkeiten für Stammtischabende und Vereinsbesprechungen, dürften die Kosten alles in allem nahe an die Millionengrenze gehen.

„Für das deutlich kleinere Dorfgemeinschaftshaus in Huldstetten haben wir insgesamt mehr als eine halbe Million ausgegeben, und seither sind sechs Jahre vergangen“ macht der Bürgermeister deutlich. Dass Aichelau einen größeren Saal bekommen wird, ist zwar noch nicht abschließend entschieden, würde aber der im Gemeinderat besprochenen Vorstellung entsprechen, dass es – ähnlich wie in Hayingen – in den einzelnen Ortsteilen unterschiedliche Saalgrößen geben soll, so dass letztlich für jede Veranstaltungsgröße ein passender Raum in der Gemeinde gegeben ist.

Auch wenn die Gemeinde Pfronstetten grundsätzlich finanziell solide aufgestellt ist, beides ist tatsächlich nicht finanzierbar. „Eigentlich macht dies auch keinen Sinn“ meint Bürgermeister Reinhold Teufel, „wenn erst einmal ein neues Dorfgemeinschaftshaus steht, haben wir für das Schul- und Rathaus überhaupt keine Verwendung mehr – alles bisherigen Nutzungen werden dann künftig im Neubau stattfinden“.

Diese Argumentation überzeugte letztlich auch die Aichelauer Bürgerschaft, die im Rahmen der erwähnten Bürgerschaft einer Veräußerung grundsätzlich mit deutlicher Mehrheit zugestimmt hat. „Wir geben das Gebäude aber nur in gute Hände – diese Zusage an die Bürgerschaft gilt für uns nach wie vor“ macht der Reinhold Teufel die Prämisse bei den Verkaufsverhandlungen deutlich. Ein Erwerber – bevorzugt aus der Gemeinde – muss deshalb Gewähr dafür bieten, das Gebäude entsprechend seiner Bedeutung für das Ortsbild und unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Vorgaben herzurichten und zu unterhalten. Auch die künftige Verwendung des Gebäudes sei für die Gemeinde von besonderer Bedeutung – akzeptabel sind nur Nutzungen, die vor Ort verträglich und mit dem bauhistorischen Kontext des Gebäudes vereinbar sind.

Der Gemeinderat hat sich entschieden, einen weiteren Anlauf zur Veräußerung zu unternehmen. Dieses Mal wird es aber keine konkreten Preisvorgaben der Gemeinde geben, vielmehr erfolgt eine Ausschreibung gegen Gebot – verbunden mit einigen Auflagen.

So soll der Kaufvertrag zwar relativ schnell abgeschlossen werden, die Aichelauer Bürgerschaft und auch die örtlichen Vereine sollen aber bis zur Fertigstellung des geplanten Dorfgemeinschaftshauses das Schul- und Rathaus wie bisher für Zusammenkünfte und Veranstaltungen nutzen können. Außerdem müssen potenzielle Interessenten darstellen, wie sie das Gebäude nach Freiwerden langfristig sanieren und nutzen wollen.

„Natürlich ist es unser Ziel, das Gebäude zu veräußern – aber wir machen das nur dann, wenn die Rahmenbedingungen hierfür stimmen“, erläutert der Bürgermeister. Dazu gehört auch, dass sich die Gemeinde vorbehält, von Interessenten bankbestätigte Bonitätsnachweise anzufordern. „Weit höher als ein Kaufpreis werden die anstehenden Sanierungskosten sein. Wenn uns gegenüber nicht zweifelsfrei belegt werden kann, dass der hierfür notwendige finanzielle Hintergrund gegeben ist, wird es keinen Verkauf geben“, so Teufel.

Bis zum 3. Mai 2017 haben Interessenten Gelegenheit, entsprechende Angebote bei Bürgermeister Reinhold Teufel abzugeben. Der Gemeinderat wird dann sehr schnell über eine Veräußerung entscheiden, „unser Ziel ist es, dass der Bauausschuss für das Dorfgemeinschaftshaus bereits Mitte Mai mit dem vorgesehenen Architekturbüro Künster aus Reutlingen erste Planungsskizzen diskutieren kann“, so Bürgermeister Reinhold Teufel. Diesen straffen Zeitplan hält die Gemeindeverwaltung für unverzichtbar, schließlich müssen die ersten Fördermittelanträge bereits im September eingereicht werden, wenn im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden soll.

Dann könnte die gefühlt unendliche Vorgeschichte des Aichelauer Dorfgemeinschaftshauses enden und die schon in den Startlöchern stehenden freiwilligen Helfer könnten zur Tat schreiten.

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